islandrabe

Tagwerk in den Feldern der Kunst und Kulturwissenschaft

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zeitfluss

Zusehen, wie die Zeit verrinnt. Ein flüssiges Kunstwerk, das den Zeitpunkt vergegenwärtigt.

zeitfluss, islandrabe 2013


Ausgangspunkt

Lebewesen und Dinge verändern sich, doch die Zeit vergeht ohne Spuren; und am Gipfel einer Zeitnot bleibt nur die Frage: Wo ist die Zeit bloß hin? Der Verflüchtigung der Zeit ist "zeitfluss" gewidmet und versucht diesem Phänomen ein Bild zu geben. Die Betrachtung des Werks schafft eine Situationen, die das Sich-Zeit-Nehmen nahelegt und auch ermöglicht – eine Situation, die bewusst machen kann, dass die eigene Zeit nicht fremdes Eigentum ist und die Möglichkeit besteht, sie sich zu nehmen. Wie Zeit sinnvoll zu verwenden ist, wird vielfach durch unser Umfeld definiert und nicht durch unsere eigene Beobachtung. Sich die nötigen Ruhezeiten zu verschaffen, wird dadurch schwierig.

"Sie [die Kunst des Müßiggangs] ist nicht hausbacken-reaktionäre Idyllik, als welche sie von den Kritisierten gerne denunziert wird. Sie ist Verweigerung gegenüber den Einschüchterungen des Quantitativen und Ansporn zu Skepsis, Eigensinn und Individualität, zur Alternative im Qualitativen." (Hermann Hesse, 1920er)


Form und Funktion

Die Installation „Zeitfluss“ erzeugt ein flüssiges Kunstwerk, um dem Verinnen von Zeit eine Form und ein Bild zu geben. Mittels schwarzer Farbtropfen wird die jeweils aktuelle Zeit im Format HH:MM (z.B. 12:47) auf der Wasseroberfläche abgebildet – in gewissem Sinne auf die Wasseroberfläche gedruckt (Video 1). Der Fluss nimmt daraufhin das flüssige Werk mit und die Zeit beginnt sich in dessen Wellen aufzulösen: Die Zeit verrinnt. Vor den Augen entschwindet die Zeit, und der ansonsten mit Unruhe verbundene Moment kann eine beruhigende Interpretation erhalten; denn der Fluss nimmt seinen Lauf, nimmt die Zeit mit und man selbst bleibt stehen und kann das Treiben beobachten.

Druckapparat, Karwendelbrücke InnsbruckBild 1

Video 1


Ausführung

Der 5m lange Apparat – der Druckautomat (Bild 1&3) –, der das temporäre Werk erzeugt, war unter die Innsbrucker Karwendelbrücke geschnallt. Auf einer Basisplattform sind 13 Mikropumpen angebracht, die zu jeder vollen Minute der Betriebszeiten Tropfen entsprechend der anzuzeigenenden Ziffern abgeben (Bild 2 & Video 2). Als Druckfarbe dient schwarze Lebensmittelfarbe (E151) in nachfüllbahren Tanks. Für den Betrieb der Installation sorgen ein Mikrokontroller und Kleinstrechner für die Steuerung und Solarpanele und Akku für die autonome Stromversorgung. Weitere Details zur Installation, vor allem in technischer Hinsicht, finden sich in einer etwas ausführlicheren Dokumentation (in englischer Sprache).

Teilsausdruck einer UhrzeitBild 2

Video 2

Montierter Druckapparats unter der BrückeBild 3


Vermittlung

Im Rahmen von "Kunst im öffentlichen Raum Tirol" konnte die Zeit vom 8. bis 22. September 2013 von der Karwendelbrücke in Innsbruck aus beim Verrinnen beobachtet werden.
Folgende Artikel berichteten davon:


Beteiligte

Richard Schwarz (Konzept, Planung, Programmierung)
Großen Anteil an der Realisierung hatten:
Albert Frisch (Elektronik, Programmierung, Aufbau)
Franz Schwarz (Farbsystem, Aufbau)
Martin Grödl (Unterstützung Programmierung)


Unterstützung

Das Werk wurde ermöglicht durch die Förderung von KÖR-Tirol und der Abteilung Kultur des Landes Tirols.

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