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Zeichen Setzen

Zwei Werke zu Zeichen und Symbolen: Das sportliche Ordnen von Zeichen mit Verleihung eines Kassabon-Abzeichens und das Spiel mit der Symbolik eines bedeutungsschweren Gemäldes.

Zeichen Setzen, islandrabe 2015


Ausgangspunkt

Unter dem Titel "Mehr als Worte" widmet sich die Sonderausstellung des Tiroler Volkskunstmuseums 2015 den unterschiedlichsten Verbreitungsgebieten von Zeichen und Symbolen. Hingewiesen wird unter anderem auf Mehrdeutigkeiten, Bedeutungsverschiebungen, Allgegenwart und Haupt- und Nebensächlichkeiten. Diese Aspekte greifen die beiden Arbeiten, ein dynamisches Wandbild und ein Zeichen-Zuweisungsspiel, auf und ermöglichen den spielerischen Umgang mit Zeichen und Symbolen. Über das Ausprobieren können hier Bedeutungen hinterfragt werden.


Form und Funktion

Für beide Werke wurden Bedienfelder entwickelt, die gefräste Holzplatten mit bedruckten und hinterleuchteten Folien und Druckknöpfen kombinieren. Eine Absicht war dabei, Interaktionsmöglichkeiten abseits der allgegenwärtigen Touchscreens anzubieten, die Haptik und Optik berücksichtigen.
Für das dynamische Wandbild (Bild 1) erfolgt über das Bedienfeld die Auswahl von Symbol und Position, um einen bestimmten Bereich des mittels Bildschirms wiedergegebenen Gemäldes zu manipulieren. So kann der Besucher dem Pater Haspinger anstatt des Kreuzes ein Gender-Symbol oder ein Auge Gottes in die Hand drücken – und damit gezielt Symbole einsetzen, um Bedeutungen zu verschieben.
Das spielerische Zeichen-Setzen (Bild 2) beginnt mit dem Drücken von "Start". Ein Countdown bietet noch kurz Vorbereitungszeit, doch dann läuft die Zeit und es gilt die richtigen Bedeutungs-Zeichen-Paar zu kombinieren. Sind alle Felder zugeordnet, wird ein Abzeichen auf einem Kassabonzettel entsprechend der verstrichenen Zeit verliehen (Bild 3); und je länger es gedauert hat, desto weniger Blätter hat der darauf abgebildete Lorbeerkranz.
Video 1 zeigt die beiden Werke in Aktion.

Dynamisches Wandbild, Tiroler Volkskunstmuseum Bild 1

Zeichen-Zuweisungsspiel, Tiroler Volkskunstmuseum Bild 2

Kassabon-Abzeichen, Tiroler Volkskunstmuseum Bild 3

Video 1


Ausführung

Die beiden Bedienfelder wurden mittels CAD-Software als eine Art Stecksystem entworfen (Bild 4 mit dem Rohbau) und per CNC-Fräse gefertigt. Für die Signalverarbeitung und Spielelogik, sowie für die Kommunikation mit dem PC wurde selbstentwickelte Elektronik mit Arduinos kombiniert (Bild 5 zeigt den Testaufbau). Der Austausch der Symbole im Gemälde erfolgt mittels der Kombination mehrerer Pixelgrafikebenen, um die neuen Zeichen scheinbar Teil des Original werden zu lassen: 1. wurde das Originalsymbol durch Retusche dem Gemälde entnommen, 2. darüber das der Position angepasste neue Symbol eingefügt und 3. Gemäldeelemente ergänzt, die das Symbol, überlagern.

Rohbau mit den CNC gefrästen Steckteile Bild 4

Testaufbau von Teilen der Elektronik, Zeichen Setzen Bild 5


Vermittlung

Die Ausstellung "Mehr als Worte" im Tiroler Volkskunstmuseum kann von 24.4. bis 8.11.2015 besucht werden (Bild 6).
Anlässlich der Eröffnung berichtete folgender Artikel: Ivona Jelcic, Wenn der Haspinger für Frauenrechte kämpft, Tiroler Tageszeitung 24.4.2015, S.15

Eröffnung der Ausstellung, Zeichen Setzen Bild 6


Auftrag

Die beiden Werke zum Setzen von Zeichen waren eine Auftragsarbeit für die Tiroler Landesmuseen Betriebsgesellschaft m.b.H., 2015.