islandrabe

Tagwerk in den Feldern der Kunst und Kulturwissenschaft

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Marbacher Poesiekubus

Ein Raum für ein Gedicht, das durch Anwesenheit zum Vorschein kommt.

Marbacher Poesiekubus, islandrabe 2016


Ausgangspunkt

Warum berühren uns Worte? Entweder angeordnet zwischen Buchdeckeln oder in die Luft gesprochen. Rhythmus und Ordnung scheinen wichtig, in Kombination mit Sinn und Sinnlichem. Der "Marbacher Poesiekubus" mischt die Formen: Das Werk gibt einem Gedicht eine unsichtbare, räumliche Gestalt, dessen Teile durch Bewegungen, durch das Eintauchen in Licht zu Sprache werden.

Video 1


Form und Funktion

Sichtbar besteht das Werk nur aus Licht, das sich zu einem Muster zusammensetzt (Bild 1). Neun Felder zeichnen sich am Boden ab, die auf die Verteilung der Worte im Raum hinweisen. Über jedem der Felder befinden sich gleichmässig über die Höhe von zwei Metern verteilt drei Gedichtteile, quasi in Form unsichtbarer Würfel. Nur im Zentrum, dem hellsten Feld, ist ein Grundton platziert, eine begleitende Klanglandschaft. Alle diese Teile können über das Eintauchen in sie ausgelöst werden (Video 1, Video: Johannes Kempf). Mit dem Entdecken der Worte entsteht ein Raum, der ein Gedicht (Bild 2) enthält.

Aufteilung der Felder durch LichtBild 1


Ausführung

Die Bodenmarkierung aus Licht verweist auf den 2x2x2m großen reaktiven Bereich in Form eines Würfels. Dieser ist in 27 kleinere Würfel unterteilt, wovon jeder einzeln wie eine unsichtbare Klaviertaste angeschlagen werden kann.
Die Erfassung der Bewegungen geschieht mittels zweier Webcams, die den Bereich des Poesiekubus aufnehmen; eine filmt den reaktiven Bereich von vorne, die andere von oben. Aus den aufgenommenen Bildern wird im Vergleich der Bildpunkte von Vorher-Nachher ermittelt, wo im Poesiekubus Bewegung stattfindet. Eine Dokumentation und der Code für diese Trackingmethode stehen online auf github zur Verfügung.

Gedichtteile Marbacher PoesiekubusBild 2


Vermittlung

Das Werk ist Teil der Ausstellung "Das bewegte Buch", die bis zum 9. Oktober 2016 im Literaturmuseum der Moderne zu sehen ist.
Bild 3 zeigt Hans Platzgumer anlässlich der Eröffnung am 28.4.2016 im Spiel mit der Poesie.

Eröffnung Marbacher PoesiekubusBild 3


Beteiligte

Albert ­Ostermaier (Text) ist 1967 in München geboren, wo er heute als freier Schriftsteller lebt. 2015 wurde er als Mitglied in die Bayerische Akademie der Schönen Künste aufgenommen. Er ist zudem Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft und Kurator bei der DFB-Kulturstiftung. Albert Ostermaier hat verschiedene Gastprofessuren und Poetikdozenturen übernommen, im April 2016 wird er an der Washington University in St. Louis unterrichten. Als Künstlerischer Leiter verschiedener Festivals hat Albert Ostermaier großes Ansehen erlangt. albert-ostermaier.com

Hans Platzgumer (Sounds), geboren 1969 in Innsbruck, ist Schriftsteller, Musiker und Komponist. Er hat in vielen Teilen der Welt gelebt, über 60 Alben und Platten veröffentlicht (u.a. mit HP Zinker, den Goldenen Zitronen), 70 Soundtracks zu Filmen, Theaterstücken und Hörspielen komponiert, eine Grammy-Nominierung, Goldene Schallplatte und andere Auszeichnungen verbucht, doziert, kuratiert, sowie 6 Bücher, 2 Opern und anderes geschrieben. platzgumer.net

Richard Schwarz (Konzept, Coding & Technik), geboren 1984 in Wörgl, lebt in Kufstein, Studium der Europäische Ethnologie (Universität Innsbruck) und Art & Science (Universität für Angewandte Kunst Wien) und ist derzeit tätig als Medienkünstler und freischaffender Kulturanthropologe. islandrabe.com



Auftrag

Ein Werk für das Deutsche Literaturarchiv Marbach/Literaturmuseum der Moderne.

Logo Deutsche Literaturarchiv Marbach