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Tagwerk in den Feldern der Kunst und Kulturwissenschaft

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The Passenger

Ein Durchgang der Bregenzer Innenstadt wird zum Klangraum, den Passanten mit ihren Wegen und Bewegungen gestalten.

The Passenger, islandrabe 2015


Ausgangspunkt

Zum Werk führte der Gedanke, alltägliche Moment bemerkens-wert zu machen. Sie bewusst werden zu lassen, um in dem Augenblick vor Ort zu sein. Dem folgend und aufbauend auf den vorangegangenen Arbeiten play the space, einem Klangraum zum Eintauchen in der Altstadt Veronas, und Klangkubus, wo Raum zum spielbaren Instrument wurde, entstand für den Durchgang Bergmannstraße 6 (Bild 1) ein reaktiver Klangraum. Der gewöhnliche Gang durch den Durchgang wird der Bewegung entsprechend vertont: Der alltägliche Moment erhält Präsenz.

Ort der Klanginstallation "The Passenger", Bergmannstraße 6 Magazin4 Bild 1


Form und Funktion

Markierungen am Boden der Passage weisen darauf hin, dass Benutzer dieses Weges im Begriff sind, Klangräume zu durchschreiten. Gelb zeigt Bereiche an, über die Klänge ausgelöst werden, weiß jene, für gesprochene Worte (Bild 2). Über unsichtbare Barrieren wird ihre alltägliche Bewegung im Raum akustisch erfahrbar gemacht. Ein an Iggy Pops ‚The Passenger’ (1977) angelehnter Soundtrack sowie in der Luft spielbare Klänge und gesprochene, dreisprachige Texte erklingen. Das Vor-Ort-Sein erhält so ein hörbares Feedback. Video 1 zeigt den Vorgang im Durchgang.

Detailansicht der markierten Klangfelder Bild 2

Video 1


Ausführung

Die Markierungen am Boden zeigen 18 Felder (Bild 3). Jeder dieser Bereiche verhält sich wie eine Taste, die gespielt werden kann. Bild 4 zeigt in einer Skizze die Aufteilung des Klangraums von oben mit einem durchschrittenen, aktivierten Feld. Als Auslöser dienen Bewegungen der Passanten. Als Messinstrumente, um zu ermitteln, wo im Raum etwas geschieht, werden Webcams verwendet (Bild 5), die von oben den Raum aufnehmen.

Verteilung der Klangfelder im Durchgang Bild 3

Anordnung der anspielbaren Bereiche Bild 4

Webcam als Messinstrument Bild 5


Vermittlung

Das Werk ist frei zugänglich im
Durchgang Bergmannstraße 6
von So 12. Juli bis So 6. September.
In dieser Zeit reagiert die Klanginstallation durchgehend auf alle, die den Raum durchgehen.


Beteiligte

Hans Platzgumer (Sounds), geboren 1969 in Innsbruck, ist Schriftsteller, Musiker und Komponist. Er hat in vielen Teilen der Welt gelebt, über 60 Alben und Platten veröffentlicht (u.a. mit HP Zinker, den Goldenen Zitronen), 70 Soundtracks zu Filmen, Theaterstücken und Hörspielen komponiert, eine Grammy-Nominierung, Goldene Schallplatte und andere Auszeichnungen verbucht, doziert, kuratiert, sowie 6 Bücher, 2 Opern und anderes geschrieben. platzgumer.net

Richard Schwarz (Konzept, Coding & Technik), geboren 1984 in Wörgl, lebt in Kufstein, Studium der Europäische Ethnologie (Universität Innsbruck) und Art & Science (Universität für Angewandte Kunst Wien) und ist derzeit tätig als Medienkünstler und freischaffender Kulturanthropologe. islandrabe.com


Betrachtungen

Das 'Verhalten' der Klangpassage als direkte Reaktion auf die Anwesenheit von Passanten und im Speziellen das sofortige Anheben der Lautstärke des Soundtracks mit dem Eintritt in die Passage, ist ein eindrücklicher Moment. Es scheint damit der eigene Einfluss auf die Umgebenung bewusst zu werden und ein Gefühl für as Vor-Ort-Sein stellt sich ein.
Ein Aspekt des Werkes, der sich aber erst mit längerem Verweilen in der Passage einstellt, ist die ständige Reaktion des Klangraumes: Wer in der Passage anwesend ist, beeinflusst den Raum – in gewissem Sinne gibt es spürbar kein Dasein in Nicht-Teilnahme.


Unterstützung

Ein Werk für das Magazin4 - Bregenzer Kunstverein

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