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Tagwerk in den Feldern der Kunst und Kulturwissenschaft

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Gestatten, Gertrud Pesendorfer

Eine Person zwischen ihrem schriftlichen Werk und ihrem Abbild

Gestatten, Gertrud Pesendorfer, islandrabe 2018


Ausgangspunkt

Gertrud Pesendorfer kam 1927 als Sektretärin an das Tiroler Volkskunstmuseum. Eine ihrer Tätigkeiten war die Betreuung der Trachtensammlung, die auch die Publikation erster wissenschaftlicher Texte mit sich brachte. 1932 wurde ihr gekündigt; politisch war sie dem illegalen Nationalsozialismus verbunden. Nach dem Anschluss 1938 wurde ihr die Leitung des Museums und auch jene der "Mittelstelle Deutsche Tracht" übertragen. Damit prägte sie "Erhaltung und Erneuerung" der "Volkstrachten"; und dies nicht bis zum Ende der NS-Zeit, sondern als Akteurin der "Trachtenerneuerung" nach 1945 darüberhinaus. Das Werk "Gestatten, Gertrud Pesendorfer" vermittelt diesen Werdegang.

Figur der Lechtalerin zeigt Gertrud Pesendorfer, Foto: Reinhard BodnerBild 1


Form und Funktion

Eine Vitrine im Museum zeigt Trachten, die jeweils Regionen oder Talschaften zugeschrieben sind. Darunter auch die Figur der "Lechtalerin" (Bild 1, Foto: Reinhard Bodner), deren Gesichtzüge jenen von Gertrud Pesendorfer nachempfunden wurden. Ein Detail, das die Grundlage zur Auseinandersetzung mit dem Wirken der Dargestellten bot.
Als Anknüpfungspunkte zur Geschichte wurden folgende Gegenstände hinzugefügt:

Im Ausgangszustand verdeckt milchiges Vitrinenglas die Figur. Dadurch wird sie gegenüber den Anderen in der Vitrine 'interessanter' gemacht. Lesbar sind so die Texte, doch mit einem Knopfdruck erscheint die Person hinter den Texten.

Gesamtansicht, Gestatten, Gertrud PesendorferBild 2

Visitenkarte Pesendorfer, 1937Bild 3

Texte und schaltbare FolieBild 4


Ausführung

Das Sichtbarmachen der Person geschieht mittels schaltbarer Folie, die je nach Schaltzustand einmal milchig, undurchsichtig und einmal transparent ist (Bild 5 und Video 1). Sie bietet den weißen Hintergrund, der die Publikationen lesbar macht. Diese sind in Form einer Karteikarte zitiert und umgeben vom Titelblatt des Mediums, in dem der Text erschien. Diese Kombination erzählt erstaunlich viel vom Wandel der Zeiten und ihres Wirkens. Gedruckt auf transparenter Folie sind sie chronologisch geordnet an der Scheibe angebracht.

Text, Gesicht und schaltbare FolieBild 5

Video 1


Vermittlung

Die Arbeit ist Teil der Dauerausstellung des Tiroler Volkskunstmuseums.


Auftrag

Im Auftrag der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck im Rahmen des Projektes "Tiroler Trachtenpraxis im 20. und 21. Jahrhundert"

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