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Finde den ...

Den Hebel bei Stereotypen ansetzen: Sind sie Orientierungshilfen oder Zufallstreffer?

Finde den, islandrabe 2016


Ausgangspunkt

Mit dem ersten Eindruck einer Person werden – mitunter unbewusst – ihre Merkmale zusammengezählt und mit stereotypen Vorstellungen verglichen, die sich aus Erfahrung und Erzählung ergeben haben. Herkunft, Charakter, Sprache, Umgang, ... viele Details erwarten wir somit vom Gegenüber, was ein Treffen erleichtert oder auch nicht zustande kommen lässt. Stereotypen können treffen – in zweifacher Hinsicht – und gänzlich daneben liegen und das Werk "Finde den ..." im Rahmen der Ausstellung "Alles fremd - alles Tirol" im Tiroler Volkskunstmuseum bietet einen Hebel, um bei dieser Dialektik anzusetzen.

Gesamtansicht von "Finde den ..." Bild 1


Form und Funktion

Ausgangsmaterial für das Werk war ein dicker Sammelband mit Darstellungen von Personen, die Karl von Lutterotti Anfang des 19. Jahrhunderts zusammentrug und nach Herkunft sortierte (eine Gesamtansicht zeigt Bild 1, rechts im Bild das Buch Lutterottis). Rund 190 Bilder wurden daraus ausgewählt, um – nun fast 200 Jahre später – die Treffsicherheit von Körper- und Kleidungsstereotypen zu prüfen. Das Material wurde dafür in drei Gruppen – Frauen, Männer und Paare – aufgeteilt; mit jeweils den unterschiedlichsten Herkunftsorten von Tirol, über Spanien, Norwegen bis nach China.
Wird ein Ratedurchgang (Bild 2) mit der Betätigung des Hebels (in Anlehnung an einen 'Einarmigen Banditen') gestartet, baut sich die Anzeige auf und je nach zufällig bestimmter Gruppe, erscheinen entweder vier Frauen, Männer oder Paare. Darüber erscheint eine Frage, die z.B. nach 'dem' Tiroler frägt: "Wer ist der Tiroler?". Glaubt man, diesen erkannt zu haben, kann die Runde mit dem Druck auf den Knopf unterhalb des Bildes aufgelöst werden; damit wird die Vermutung bestätigt, oder aufgedeckt, wer für einen Tiroler gehalten wurde und wer tatsächlich einer ist. Und per Hebelzug geht es in eine nächste Runde ...

Ablauf einer Spielrunde Bild 2


Ausführung

Das Buch Lutterottis stand gesamt als Scan zur Verfügung und so konnten alle passenden Darstellungen digital 'ausgeschnitten' werden; Lutterotti schnitt analog aus (Bild 3, Bild: Bibliothek Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum) und dieser Stil wurde übernommen. Eigens dafür geschriebene Software legte die Ausschnitte zudem proportional passend ab, sodass die unterschiedlichen Bilder einheitlich in der Anzeige nebeneinander erscheinen.
Aus dieser Datenbank an Bildern von Frauen, Männern und Paaren bedient sich die Software des Werks. Wird per Hebel das Signal für eine neue Runde gegeben, ist der Zufall am Werk: Zum eine wird eine der drei Gruppen gewählt, daraus vier Bilder und von denen, jenes, nach dem gefragt wird. Diese Reihe an Zufällen verhindert, dass sich so schnell keine Fragesituation wiederholt. Erhält das Programm nun ein Signal der Druckknöpfe, wird – falls richtig – die Person oder werden – falls falsch – die Personen um exaktere Ortsangaben, die Lutterotti seinen Bildern hinzugefügt hat, aus der Datenbank ergänzt.

Seite aus Karl von Lutterottis Sammelband Bild 3


Vermittlung

Das Werk ist Teil der Ausstellung "Alles fremd - alles Tirol", die bis 6.11.2016 im Tiroler Volkskunstmuseum zu sehen ist.
Bild 3 (Foto: Wolfgang Lackner) zeigt das Werk in Aktion anlässlich der Eröffnung der Ausstellung.

Eröffnung "Alles fremd - alles Tirol", Finde den ... Bild 4


Auftrag

Das Werk "Finde den ..." ist eine Auftragsarbeit für die Tiroler Landesmuseen Betriebsgesellschaft m.b.H., 2016.