islandrabe

Tagwerk in den Feldern der Kunst und Kulturwissenschaft

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Ding

Ein Dorfmöbel mit lokalen Netzwerkfähigkeiten

Ding, islandrabe 2017


Ausgangspunkt

Der Gasthof Traube in Vill bei Innsbruck ist zentral im Dorf gelegen. Mit der Einstellung der Gastwirtschaft kam die Eigenschaft als Treffpunkt abhanden. Wo Tische und Stühle standen, stehen Autos. Mit der Ausschreibung "Gasthof Traube – Vill" suchte der Unterausschuss Vill nach Ideen, um diesen Stand der Dinge zu ändern. Dem ging ein Leitbildprozess voraus, der unter anderem Kommunikation und Nutzung öffentlichen Raumes thematisierte. Davon und durch die Erfahrungen des Projektes Dörfliche Nachbarschaft inspiriert, lautete der Vorschlag, einen großen Tisch (Bild 1) samt Informationstechnologie (dem Vill Wide Web – vww, Bild 2) für das Zusammenfinden am Dorfplatz vor der Traube zu platzieren.

Ding, Tisch vor Gasthof Traube VillBild 1

Ding, Hinweis auf WLAN-Netz vww (Vill Wide Web)Bild 2


Form und Funktion

Ein Tisch mit großer Platte steht für die klassische Form der Kommunikationsplattform: Leute können vis-a-vis oder nebeneinander Platz nehmen und ins Gespräch kommen. Dieses "Ins-Gespräch-kommen" mit seinen Qualitäten der 'sozialen Orientierung' wird aktuell als fehlend wahrgenommen. Gegenwärtige Technik(nutzung) trägt dazu bei, wenn Wege nur vom Haus in die Garage und nicht durchs Dorf führen oder medial vermittelte Ferne die Nähe banal erscheinen lässt.
Für das "Ding" wurde deshalb das lokale offene WLAN-Netz namens "vww" (Vill Wide Web) errichtet. Befindet man sich am Dorfplatz, kann man sich per SmartPhone, Laptop, Tablet, ... damit verbinden (Bild 3). Mit dem Öffnen des Browsers öffnet sich eine Website, die nur vor Ort am Dorfplatz online ist – eben Vill Wide und nicht World Wide. Die Dorfplatz-Website bietet in einer bunten Zusammenstellung an Fotografien, Texten und Zeitungsartikeln Geschichten über das Dorf.
Die Form des Tisches sollte zum Ort passen. Zwei Ansatzpunkte ergaben sich dafür: Zum einen bietet Vill mit seinen älteren Holzbauten Vorlagen für Holzverbindungen und zum anderen wurde das Material im Dorf gesammelt (Bild 4). Daraus entwickelte sich z.B. die gekreuzte Form der Beine (auch in Anlehnung an ein umgedrehtes V), die Länge von 4,5m (die Länge der längsten Bretter) oder auch die Art der Beplankung (nach der Breite der Bretter).
So steht das "Ding" nun, umgeben vom "vww", am Dorfplatz: Als Einladung vor Ort etwas über das Dorf zu erfahren – digital und ebenso 'analog'.

Ding, Nutzung bei EröffnungBild 3

Ding, Sammlung von Material im DorfBild 4


Ausführung

In Vorbereitung des Werks kam es zu zwei Tagen des offenen Ateliers im Gasthof Traube (Bild 5). Ein Tag war dem Holzbau/den Holzverbindungen gewidmet, der andere Tag hatte Website und -serverprogrammierung zum Thema. Zudem wurde die Zeit genützt, um verfügbare Holzbretter im Dorf zu sammeln, den Tisch zu entwerfen und den Aufbau vorzubereiten.
Für Inhalte der Dorfplatzwebsite sorgte zum einen das Projekt "Viller Erinnerungen" (ebenfalls Teil von "Gasthof Traube – Vill") der KomischenVögel. In mehreren Gesprächsrunden war das Dorf in Vegangenheit und Gegenwart Thema. Die dafür mitgebrachten Texte und Fotos durften für die Verwendung in der Dorfplatz-Website gescannt werden. Zum anderen wurden Zeitungsartikel über Vill von 1860 aufwärts in der Bibliothek des Ferdinandeums gesammelt.
Für eine Auswahl aus dem Material wurde ein Websitelayout entwickelt, das die verschiedenen Formate zugänglich macht. Die Hauptseite zeigt eine Karte von Vill, auf der die Einträge verortet sind (Bild 6). Jeder Eintrag führt als Link zur dazugehörigen Kapitelseite. Um die Website am Dorfplatz online zu stellen, wurde als Hardware ein Einplatinenrechner samt WLAN-Stick und für den Webserver das Framework nodejs verwendet.
Im Rahmen der Eröffnung wurden die Teile des Tisches öffentlich am Dorfplatz zusammengefügt (Bild 7, Foto: Alexa Baumgartner). Mit dem Einschalten des "vww" war das "Ding" dann offiziell eröffnet/online.

Ding, offenes Atelier, Holzbau und WebprogrammierungBild 5

Ding, Screenshot Dorfplatz WebsiteBild 6

Ding, öffentlicher Aufbau am DorfplatzBild 7


Vermittlung

Im Vorfeld kündigte ein Schild samt Absperrung die Errichtung des "vww" an (Bild 8).
Das Werk steht seit 27.7.2017 am Viller Dorfplatz frei zur Verwendung. Das vww samt Dorfplatzwebsite wird voraussichtlich bis Herbst 2017 dort online sein.

Berichte über das Werk:

Ding, Infoschild Errichtung vwwBild 8


Beteiligte

KomischeVögel (Projekt "Viller Erinnerungen") in Person von: Ingeborg Geir studierte Biologie in Graz und Wien und widmet sich seit sechs Jahren intensiv der Malerei. Das Wipptal, wo ihre Wurzeln väterlicherseits liegen, ist für die Künstlerin eine zweite Heimat und immer wieder Inspiration. Elisabeth Vogel studierte Geschichte und Slawische Philologie in Freiburg i.Brsg. und arbeitet selbständig als Unternehmensberaterin in Wien. In ihrer Freizeit gilt ihr Interesse der Alltags- und Mentalitätsgeschichte.

Martin Mutschlechner und Alexa Baumgartner sind die Prozessverantwortlichen von Stadt:Labor – Architekten für das Leitbild, die LA-21 Zertifizierung sowie den Kreativwettbewerb rund um Vill und die Traube. Stadt : Labor – Architekten ist ein Planungs- und Beratungsbüro für Architekturprojekte und Ortsentwicklung. stadtlabor-architekten.com

Max Profanter (Tisch- und Bankbau), geboren 1942 in Vill, arbeitete als Psychiater und Neurologe in Hall. Seit 2013 ist er Vorsitzender des Stadteilausschuss Vill.

Teresa Profanter (Materialsammlung und -digitalisierung), geboren 1981 in Innsbruck, studierte Germanistik in Wien und arbeitet als selbstständige Lektorin in Vill. lektorat-profanter.at

Richard Schwarz (Konzept, Archivrecherche, Gestaltung & Tischbau, Programmierung), geboren 1984 in Wörgl, lebt in Kufstein, Studium der Europäische Ethnologie (Universität Innsbruck) und Art & Science (Universität für Angewandte Kunst Wien) und ist tätig als Medienkünstler und freischaffender Kulturanthropologe. islandrabe.com


Auftrag

Das Werk entstand im Rahmen des Projektes "Gasthof Traube – Vill" im Auftrag des Unterausschuss Vill, 2017.

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