islandrabe

Tagwerk in den Feldern der Kunst und Kulturwissenschaft

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corporate tunes

Ein Tisch als Synthesizer für den Zusammenklang

corporate tunes, islandrabe 2016


Ausgangspunkt

"Im Einklang mit sich selbst und anderen" wird gerne als Ziel angegeben, wenn es um den Aufenthalt in der Welt geht. Was dabei nun klingt, ist schwer zu beschreiben und zu veranschaulichen. Eine Idee gibt die Erfahrung, wenn Stille einen völlig umgibt und die Luft frei wird für die Klänge, die der eigene Atem, das Herz und Bewegungen erzeugen. Hier hört man sich selbst, wird sich bewusst, dass da etwas lebt.
Selbstfindung wird zum Wunsch, wenn unbewusst das sensorische Überangebot auf die Nerven drückt; mobil oder immobil ständig Informationen Aufmerksamkeit verlangen. Dann wäre ein 'Ein'-Klang schön – reduziert, wahrnehmbar und als Zeichen deutbar. Das Werk "corporate tunes" kombiniert Tast- und Hörsinn, um eigenen und gemeinsamen Klängen nachzuspüren.

Gesamtansicht corporate tunes Bild 1

Video 1


Form und Funktion

Ein Tisch wird zum Synthesizer: Das Möbel im Ganzen wird zum Klangkörper (Bild 1), wobei die Platte als Membran wirkt. Tiefe Frequenzen werden dadurch spürbar, bevor sie in den hörbaren Bereich kommen. In Kupfer ausgeführte Fingerabdrücke (Bild 2) dienen der Klangerzeugung. Paarweise sind sie auf der Tischplatte angeordnet und berührt eine Person den linken und den rechten Fingerabdruck, wird eine Sinuswelle erzeugt. Die Eigenschaften der Welle sind dabei durch den Druck und Körperwiderstand bestimmt. Leichte Berührung erzeugt tiefe, kaum hörbare, dafür spürbare Resonanz; starke Berührung hohe Frequenzen, die bis ins Nicht-Wahrnehmbare gehen können. Kommen nun mehrere Spieler an den Tisch (Video 1; Aufnahmen: Davide Provolo), mischen sich die Sinuswellen der Einzelnen zu einem gemeinsamen Klang und es bildet sich ein 'Ein-Klang'.

Kupfer Fingerabdrücke zur Klangsteuerung Bild 2


Ausführung

Der Tischunterbau stand – vor seiner Zeit als Teil eines Klangkunstwerks – im Valpolicella, Wind und Wetter ausgesetzt. Die Tischplatte kam neu aus der Tischlerei und wurde dem Unterbau farblich angepasst (Oberflächenbearbeitung: Kirsten Schwarz). Den Tisch zum Klangkörper macht ein Körperschalltreiber, der mittig an die Unterseite der Platte montiert ist. Er versetzt diese in Schwingungen und dadurch wird Schall erzeugt.
Grundlage der Klänge ist die Berührung der Kupferfingerabdrücke. Wird ein Paar berührt, schließt die Person den Stromkreis und fungiert als variabler Widerstand. Mit der Intensität der Berührung kann so der Spannungswert verändert werden, der als Grundlage für die Frequenz einer per Software erzeugten Sinuswelle dient. Werden mehrere Fingerabdruckpaare verbunden, mischt das Programm die generierten Sinuswellen für den Monokanal, den der Tisch bietet.

corporate tunes, Academia di Belle Arti di Verona Bild 3


Vermittlung

Das Werk war von 23.5. bis 28.5.2016 Teil des Festivals Verona Risuona: Bild 3 (Foto: Kirsten Schwarz) Academia di Belle Arti di Verona, Bild 4 (Foto: Kirsten Schwarz) im Park des Palazzo Bocca Trezza und Bild 5 (Foto: Fabio Morreale) am späteren Abend der Abschlussveranstaltung.

corporate tunes, Palazzo Bocca Trezza Bild 4

corporate tunes, Canarin Bild 5


Unterstützung

Das Werk wurde ermöglicht durch die Förderung des Österreichischen Kulturforums in Mailand.

Logo Österreichisches Kulturforum in Mailand